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Los geht's

Berlin, weil ...

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Zum ersten Mal begegnete ich Berlin in der ersten Woche nach dem polnischen EU-Beitritt. Als ich nach Warschau zurückkehrte, erzählte ich meiner Familie und meinen Freunden: Wenn nicht in Warschau, dann DORT! DORT kannst du im Pyjama über die Straße laufen, DORT vermischt und verbindet sich alles, DORT fühlt sich jeder zu Hause!
Einige Jahre später lernte ich in Brüssel einen hinreißenden Deutschen kennen. Hoffentlich kommt er aus Berlin, dachte ich mir und drückte die Daumen. Er tat es :)

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Meine Beziehung mit Berlin dauert nun schon zwei Jahrzehnte und erinnert an eine Fernbeziehung, vielleicht ist dies der Grund dafür, dass sie nach wie vor eine gleichmäßige, ziemlich hohe Temperatur aufweist. Es gibt in ihr Höhen und Tiefen, anfangs begeisterte ich mich nahezu unkritisch diese Stadt, später begann ich allmählich, auch andere Seiten zu entdecken. Was mich nach wie vor an Berlin fasziniert, ist seine Schroffheit und Widerborstigkeit, die trotz der Gentrifizierung, die die Stadt Stück für Stück auffrisst, noch immer spürbar ist. Das Nachlässige und Ungeordnete, das ebenfalls zunehmend zurückgeht. Also interessiere ich mich in letzter Zeit – entgegen den touristischen Allgemeinplätzen von einer Stadt voller Künstler, die vor den Cafés sitzen und ihren Café Latte schlürfen – vor allem für die Außenbezirke, die sogar von den Berlinern selbst ignoriert werden – insbesondere für die Plattenbausiedlungen.

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Berlin ist heute nicht mehr ganz so arm und damit auch nicht mehr so sexy. Aber das ist eine unvermeidliche Entwicklung in einer Stadt, die den gegenwärtigen populistischen Stürmen zum Trotz eines Tages, wenn über dem Kontinent erneut der Regenbogen leuchtet, die kosmopolitische Hauptstadt eines vereinigten Europas sein wird. Bis dahin erfreuen wir uns an dem gegenwärtigen Berlin, in dem sich Currywurst und Döner ideal in eine ganz eigene Diät der Weltoffenheit einfügen.

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BERLIN,
UNABHÄNGIG, -verloren und raubtierhaft.

The #crackineverything:
SCHLAGADER meiner Welt.

Arche der schöpferischen Traditionen der Marien und MAGDALENEN

DU HOBST MICH EMPOR auf den Schwingen deiner Unlust:
Lick my tinnitus, PUPPE!

#onyourknees #fakealife and -Lächeln,
artist, female.

I WILL MAKE you high, twu: #fly,
versteht sich- above.

Und dein von einem SPIEGELBILD umstelltes Gesicht,
ich poliere es mühevoll Tag für Tag

the Berlin sky.
Ein stinkender, nasser Lappen

und ich erkenne: du BIST
mir Vater und Mutter.

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Man kann so beginnen, wie es der Reiseführer empfiehlt: Der Fernsehturm am Alexanderplatz, der Berliner Dom, die Museumsinsel und die gläserne Kuppel des Reichstags. Doch schon bald verabredest du dich vor der Weltzeituhr anstatt vor dem Adam-Mickiewicz-Denkmal, machst deine Einkäufe am Maybachufer und kennst, bevor du es merkst, die Verkäuferinnen in dem vietnamesischen Imbiss an der Ecke ebenso gut wie die auf dem Wochenmarkt vor deiner Krakauer Wohnung. Die Stadt saugt Angereiste und Zugezogene in kürzester Zeit auf: Noch bevor sie in korrektem Deutsch erzählen können, was sie hierher führt, fühlen sie sich bereits wie zu Hause.
Für mich als Kunstkritikerin bedeutet Berlin noch mehr als nur das Gefühl, zu Hause zu sein: Es ist ein Ort, der heute weltweit den Ton angibt. Auch wenn man sagt, dass die Kunstszene heute anders funktioniert als früher, dass es keine so bedeutenden Orte mehr gibt, wie das Paris der Vorkriegs- oder das New York der Nachkriegszeit, ist die deutsche Hauptstadt ohne Zweifel ein äußerst wichtiger Bezugspunkt auf der künstlerischen Weltkarte. Nach dem Fall der Mauer kamen sie alle hier zusammen, Künstler, Kuratoren und Kunsthändler, bedeutende Festivals und Galerien entstanden, und die Menschen strömen bis heute in Scharen herbei und kommen aus dem Schauen nicht mehr heraus. Man muss einfach hier sein, um sich mit eigenen Augen davon zu überzeugen, was die Gegenwartskunst zu bieten hat.

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Wenn es um Berlin geht, sprechen alle immer sehr hochtrabend, jeder Stein sei ein stummer Zeuge, die Mauer und die Denkmäler der Katastrophe. Und manchmal spreche ich auch so, aber nur manchmal. Denn Berlin kann auch erschreckend normal und vertraut sein. Berlin, das ist für mich die Fahrt zur Schule im Doppeldeckerbus, mit Umsteigen, hübsche Einfamilienhäuser im grauen Tempelhof. Wahnwitzige Fahrradrennen an der Mauer, aber spielte die Mauer damals überhaupt eine Rolle? Eher die Rennen. Die vor der Gedächtniskirche am KuDamm gerauchte Zigarette, die ich zuvor meinem Vater geklaut hatte. Berlin, das ist auch das Bild eines Berlins, das erst noch entstehen sollte, damals, als man zur Humboldt-Universität in Mitte noch durch postsozialistischen Morast und futuristische Baustellen stapfte. Mein Berlin, das ist der U-Bahnhof Grenzallee und die Bank, auf der man bis in die Nacht mit dem hübschen blonden Jungen knutschte. Und der Opernsänger an der Spichernstraße, ohne Talent und ohne Stimme. Berlin, das ist, wenn der Frühling früher kommt, viel früher als in Polen, und wenn die Bäume mit weißen Blüten übersät sind wie in Japan. Denn das Berlin der Berliner kann manchmal ganz einfach sein.

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Copyright: Goethe-Institut Polen Im Rahmen des Projektes bln_krk, 2017

Kurator: Marcin Wilk

Organisator: Goethe-Institut Krakau

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